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Mittwoch, 28. Oktober 2020 20:Okt

Wie Corona die Evakuierung von 800 Menschen erschwerte

Auch Karin Trill wurde aus ihrem Haus geklingelt: Rund 800 Menschen mussten evakuiert werden. Auch Karin Trill wurde aus ihrem Haus geklingelt: Rund 800 Menschen mussten evakuiert werden.

Am Dienstag wurde erneut eine Fliegerbombe in Rostrup entdeckt, rund 800 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Wie lief die Evakuierung in Zeiten von Corona ab?

Rostrup Bombenfund auf dem ehemaligen Bundeswehrkrankenhausgelände in Rostrup. Erneut. Es regnet in Strömen, als die Fahrzeuge der Feuerwehr und Polizei am Dienstagmittag an der Grundschule losfahren. Die Einsatzkräfte haben ein Ziel: Sie sollen das Gebiet innerhalb von 1000 Metern rund um den Fundort des Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg evakuieren. Rund 800 Menschen sind betroffen – und das zu Zeiten von Corona.

 

Die Ortsfeuerwehr Kayhauserfeld kümmert sich zunächst um die Straße „Hogen Kamp“. Eine Frau kommt den Einsatzkräften schon entgegen, hat von ihrem Sohn einen Link mit dem Zeitungsartikel geschickt bekommen. „Sind wir betroffen?“, fragt Christine Schier. Die Feuerwehrmänner bejahen. „Wir fahren dann zum Freund meiner Tochter“, sagt die Anwohnerin – die ersten Namen können von den seitenlangen Listen gestrichen werden. In die angebotenen Räumlichkeiten der Schule wolle sie „wegen Corona“ nicht. „Eigentlich schade – das letzte Mal war dort richtig gute Stimmung“, sagt sie achselzuckend.

Die Feuerwehrleute gehen in Zweier- beziehungsweise Dreier-Gruppen los, aufgeteilt in gerade und ungerade Hausnummern. Sie haben Funkgeräte dabei, falls es Fragen gibt, Menschen ihre Häuser nicht allein verlassen können. Der Regen hat sich verzogen.

Eine sechs Seiten lange Liste haben Ortsbrandmeister Patrick Zemke und Gruppenführer Timo Oltmanns vor sich – nach dem ersten Klingeln gibt es noch eine Kontrollrunde. 47 Hausnummern haben die beiden vor sich.

Karin Trill möchte mit ihrem Hund in die Grundschule. „Schön ist das nicht, aber es hilft ja nichts“, sagt sie. Waltraut Wilts aus dem Nebenhaus folgt ihr, packt aber noch schnell ein Kreuzworträtselheft ein. „Vor 75 Jahren bin ich auch vor den Bomben geflüchtet“, erzählt sie im Hausflur. „Damals habe ich mich mit meiner Mutter im Keller versteckt.“

Man setze darauf, dass „viele zu Freunden fahren – vor allem wegen Corona“, sagt Timo Tapken vom Ordnungsamt.

„Das Ganze ist eine große Herausforderung in dieser Situation“, sagt auch Thorsten Rabe, der sich als organisatorischer Einsatzleiter des Rettungsdienstes Ammerland um die Koordination der Betreuung an der Grundschule kümmert.

Vor der Pausenhalle hat sich indes eine kleine Schlange gebildet. Alle Menschen hier tragen Masken, zusätzlich zu der Registrierung müssen sie ihre Hände desinfizieren. Drinnen sind die Stühle mit viel Abstand platziert worden, an einigen Stellen haben sich kleine Grüppchen mit Familien oder Arbeitskollegen gebildet. Auch Johann und Sylvia Büsing mit ihrer Tochter Jana warten in der Halle. „Hier fühlt man sich sicher“, sagen sie. Auch Ingeborg Scholz ist froh, in der Grundschule zu sein, sie war schon früh vom Wohnungsbau informiert worden. „Jetzt heißt es warten, bis alles fertig ist.“

Weitere Informationen

  • Quelle: Nordwest-Zeitung, Ammerland
  • Datum: Mittwoch, 28. Oktober 2020
  • Autor: Ellen Kranz
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