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Dienstag, 28. Januar 2020 17:Jan

Die erste Ortsbrandmeisterin im Oldenburger Land

Die erste Ortsbrandmeisterin im Oldenburger Land: Thalea Zörgiebel Die erste Ortsbrandmeisterin im Oldenburger Land: Thalea Zörgiebel

Sie kommt aus einer echten Feuerwehrfamilie: Schon Thalea Zörgiebels Mutter war vor 25 Jahren die erste Frau in der Einheit Südbäke. Nun rückt die 29-Jährige sogar auf den Chefposten – und will dort ein gutes Vorbild sein.

Südbäke Frauen in der Feuerwehr, das war lange Zeit eine absolute Seltenheit. Das Löschwesen galt über Jahrzehnte als reine Männerdomäne. Doch inzwischen rücken immer mehr Frauen mit aus, um zum Beispiel Brände zu löschen oder um bei Verkehrsunfällen Hilfe zu leisten.

In Führungspositionen sind Frauen bei den Freiwilligen Feuerwehren hingegen noch immer kaum vertreten. In der Gemeinde Rastede ändert sich das jetzt. Die Einheit Südbäke hat als erste Feuerwehr im Oldenburger Land eine Frau zur Ortsbrandmeisterin gewählt: die 29-jährige Thalea Zörgiebel.

 

„Ich find’s super“, sagt die Mutter von zwei Kindern und fügt hinzu: „Viele junge Mädels denken ja, Feuerwehr, das ist Männersache.“ Doch dem sei gar nicht so: „Frauen können genauso mitpowern wie Männer.“ Als Ortsbrandmeisterin hofft sie deshalb auch, ein gutes Vorbild sein zu können.

Udo Schwarz würde sich wünschen, dass mehr Frauen diesen Schritt gehen würden. Der Regierungsbrandmeister ist seit vergangenem Jahr Chef aller Feuerwehren im Oldenburger Land. Und eine Frau als Orts- oder Gemeindebrandmeisterin gibt es bisher nicht im Bereich des Oldenburgischen Feuerwehrverbandes. Der Kreisfeuerwehrverband Oldenburger Land wählte allerdings bereits 2017 eine Frau zur Vorsitzenden: Diane Febert.

„Irgendwann wird es gar nicht mehr ungewöhnlich sein, dass Frauen bei den Feuerwehren in Führungspositionen sind“, sagt Schwarz. Als in den 1970er und 80er Jahren verstärkt Jugendfeuerwehren gegründet wurden, um die Nachwuchsarbeit zu fördern, kamen vermehrt auch Frauen in die einstige Männerdomäne Feuerwehr. Seitdem steigt die Zahl der weiblichen Feuerwehrmitglieder immer weiter.

Südbäke als Vorreiter

Dass ausgerechnet die Einheit Südbäke, kleinste Ortswehr in der Gemeinde Rastede (22 Aktive, ein Einsatzfahrzeug), mit einer Frau als Ortsbrandmeisterin nun zum Vorreiter wird, sei sogar konsequent, findet Thalea Zörgiebel. Ihre Mutter Anne Sandkuhl war nämlich vor 25 Jahren die erste Frau überhaupt in der Einheit Südbäke. Allerdings: Der Rat der Gemeinde Rastede muss das Votum der Feuerwehr noch bestätigen.

Und ebenso konsequent war es, dass Thalea Zörgiebel Feuerwehrfrau wurde. „Ich bin da so reingeboren worden“, erzählt sie. Nicht nur ihre Mutter, auch ihr Vater Georg Sandkuhl sowie ein Großvater und ihre beiden Onkel sind in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv.

Thalea Zörgiebel, die in Hahn-Lehmden lebt, trat 2008 in die Ortswehr Südbäke ein. „Kurz nach meinem 17. Geburtstag“, sagt sie. Eine Kinder- oder Jugendfeuerwehr gibt es nicht, so schloss sie sich gleich der Einsatzabteilung an.

Obwohl sie aus einer Feuerwehrfamilie stammt, habe es damals aber noch einiger Überzeugungsarbeit bedurft. Als Jugendliche hätten andere Interessen bei ihr vorne angestanden, an eine Karriere bei der Feuerwehr habe sie da nicht gedacht.

Eines Tages hätten einige Kameraden der Einheit Südbäke vor ihrer Tür gestanden und gesagt: „Du kommst jetzt mit.“ Thalea Zörgiebel folgte der Bitte, nahm an einem Übungsdienst teil und war überzeugt. „Ich habe gleich gesagt, ich bleibe hier.“

Zunächst musste die gelernte Bäckereifachverkäuferin danach aber büffeln. Wer bei der Feuerwehr tätig sein möchte, muss sich die Grundlagen aneignen. „Der erste Lehrgang, den man macht, ist die Truppmannausbildung“, erzählt die 29-Jährige. Wer die Ausbildung besteht, darf unter Anleitung grundlegende Tätigkeiten im Lösch- und Hilfeleistungseinsatz übernehmen.

Damit ließ es Thalea Zörgiebel aber nicht auf sich bewenden. Sie belegte einen Sprechfunker-Lehrgang und absolvierte den zweiten Teil der Truppmannausbildung. Bald muss die 29-Jährige nun wieder die „Schulbank“ drücken.

Lehrgänge erforderlich

„Ich bin erst einmal kommissarisch gewählt. Offiziell wird es erst, wenn ich die nötigen Lehrgänge vorweisen kann“, berichtet sie. Als Ortsbrandmeisterin muss sie die Truppführerausbildung und die Gruppenführerausbildung bestehen.

Der Vorteil: Beide Lehrgänge kann sie vor Ort an der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz in Loy machen. Eine beziehungsweise zwei Wochen für die Gruppenführerausbildung dauern die Kurse. „Lernen kann ich ganz gut, da mache ich mir keine Sorgen“, sagt Thalea Zörgiebel.

Außerdem will sie den Lehrgang zum Atemschutzgeräteträger belegen. Wenn’s irgendwo brennt, muss sie im Moment nämlich noch draußen bleiben. „Zusammen mit meiner Mutter kümmere ich mich um die Überwachung der Atemschutzgeräteträger bei Einsätzen“, erzählt sie.

Das heißt: Bei Einsätzen behalten die beiden Frauen im Blick, dass die Atemschutzträger rechtzeitig wieder aus einem Gebäude herauskommen, bevor ihre Sauerstoffflaschen leer sind, erklärt sie.

Viele Tierrettungen

Brandeinsätze fährt die Einheit Südbäke allerdings gar nicht so viele. „Unser Löschbezirk ist sehr landwirtschaftlich geprägt“, erzählt Thalea Zörgiebel. Da komme es schon häufiger mal vor, dass ein Tier gerettet werden muss, zum Beispiel ein Pferd, das nicht mehr aus einem Graben herauskommt. „Wenn man dann im Dreck steht, das ist voll mein Ding“, sagt Thalea Zörgiebel und lacht.

In ihre Aufgabe als Ortsbrandmeisterin müsse sie jetzt erst einmal hereinwachsen. „Das ist schon ein großer Schritt“, sagt die 29-Jährige. Zumal die Einheit Südbäke vor einem großen Projekt steht.

Ende vergangenen Jahres wurde für die Gemeinde Rastede ein so genannter Feuerwehrbedarfsplan vorgelegt. Dieses Gutachten macht Aussagen zur Situation der verschiedenen Einheiten.

Zum Feuerwehrhaus in Südbäke heißt es in dem Papier: „Die bauliche Situation begründet im Hinblick auf den Arbeitsschutz für die ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen dringenden Handlungsbedarf.“ Es sei zu prüfen, ob die Fläche auf dem Gelände ausreicht oder ob ein alternativer Standort zu suchen ist.

„Damit müssen wir uns jetzt im Zusammenhang mit einem Nachtragshaushalt beschäftigen“, sagt Gemeindepressesprecher Ralf Kobbe. Im Zuge der anstehenden Beratungen müsse man sehen, für welche Lösung letztlich eine politische Mehrheit gefunden wird.

Eine der Maßnahmen, die dann zu berücksichtigen sein wird: getrennte Umkleidebereiche für Frauen und Männer schaffen. Die gibt es bisher nämlich nicht in Südbäke.

Über 16000 Frauen

2018 verrichteten in Niedersachsen erstmals mehr als 16 000 Brandschützerinnen freiwillig ihren Dienst. Mit 1029 aktiven Feuerwehrfrauen mehr als im Vorjahr setze sich die Erfolgsgeschichte der weiblichen Angehörigen der Einsatzabteilung weiter fort, heißt es dazu im Feuerwehrbericht 2018 des Niedersächsischen Innenministeriums, der Ende vergangenen Jahres vorgelegt wurde. Mit einem Frauenanteil von 12,6 Prozent nehme Niedersachsen bundesweit einen Spitzenplatz ein. Zahlen für das Jahr 2019 liegen noch nicht vor.

Im Landkreis Ammerland verhält es sich ähnlich, weiß Gemeindebrandmeister Andree Hoffbuhr. „Die 38 Feuerwehren haben 1563 aktive Mitglieder, davon sind 167 weiblich. Also gute zehn Prozent“, sagt er. Bei den Jugendfeuerwehren sieht es hingegen etwas anders aus. Von den 370 Mitgliedern sind 87 weiblich, teilt Hoffbuhr mit. Das entspricht einem Anteil von guten 23 Prozent.

Weitere Informationen

  • Quelle: Nordwest-Zeitung, Ammerland
  • Datum: Dienstag, 28. Januar 2020
  • Autor: Frank Jacob
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