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Samstag, 25. August 2018

So lief die Übung auf dem Zwischenahner Meer

Quelle: Nordwest-Zeitung, Ammerland vom Samstag, 25. August 2018, Autor: Christian Quapp
Wer muss zuerst gerettet werden: Feuerwehrleute unter Atemschutz gingen an Bord des Schiffes. Zuerst wurden offensichtlich verletzte Personen versorgt, andere „Passagiere“ mussten länger auf die „Rettung“ warten. Wer muss zuerst gerettet werden: Feuerwehrleute unter Atemschutz gingen an Bord des Schiffes. Zuerst wurden offensichtlich verletzte Personen versorgt, andere „Passagiere“ mussten länger auf die „Rettung“ warten. Bild: Christian Quapp

Feuerwehren, DLRG und DRK trainierten gemeinsam einen Einsatz auf der MS Bad Zwischenahn. Am Donnerstagabend um 20 Uhr wurden die Retter alarmiert. Nach zwei Stunden waren alle „Opfer“ von Bord gebracht worden.

Bad Zwischenahn /Elmendorf /Rostrup Die MS Bad Zwischenahn, das größte Schiff der Weissen Flotte der Reederei Ekkenga treibt rund 150 Meter vor dem Anleger in Dreibergen auf dem Zwischenahner Meer, Rauch dringt aus dem Schiff, dann eine laute Explosion, panische Hilfeschreie von Erwachsenen und Kindern. Zum Glück war das Unglück am Donnerstagabend nur eine unangekündigte Übung für Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Elmendorf, der DLRG Bad Zwischenahn und der DRK Bereitschaft Bad Zwischenahn. Rauch und Explosion: Feuerwerkskörper und eine Nebelmaschine. Die rund 30 „Opfer“: Freiwillige aus Elmendorf und von den Feuerwehren aus Bad Zwischenahn und Rastede.

 

Kurz nach 20 Uhr wurden die Einsatzkräfte alarmiert, wenig später standen die ersten Einsatzwagen am Anleger in Dreibergen, von Rostrup aus rasten die Boote der DLRG heran. Die bekamen auch gleich zu tun: Sechs Opfer trieben im Wasser, in diesem Fall durch Überlebensanzüge gut geschützt. Sie wurden nach und nach in die Boote geholt und an den Anleger nach Dreibergen gebracht. Bis die ersten „Verletzten“ aus dem völlig verrauchten Passagierraum des Schiffes geborgen werden konnten, dauerte es etwas länger. Erst mussten die Feuerwehrleute mit Atemschutzausrüstung mit dem Boot an Bord geholt werden. Die Suche unter Deck war dann nicht einfach: Die Nebelmaschine sorgte dafür, dass die Sichtweite im Raum nur Zentimeter betrug.

Auch die „Rettung“ einer schwer verletzten Frau vom Oberdeck war schwierig: Erst wurden die Helfer durch überzeugend dargestellte panische Fahrgäste behindert, dann musste die Frau mit einer Trage über die engen Treppen aus dem Schiff befördert werden. Unterdessen schleppte ein DLRG-Boot das große Schiff aus dem Wind, um ein weiteres Abtreiben zu verhindern. Sogar ein Lüfter wurde an Bord gebracht, um den Qualm aus dem Schiff zu vertreiben. Dann endlich konnten auch einige „unverletzte“ Passagiere per Boot vom Schiff befördert werden. Schließlich kehrte die MS Bad Zwischenahn aus eigener Kraft nach Dreibergen zurück, die letzten Passagiere wurden von Bord geleitet.

An Land waren da noch die Retter des DRK aktiv, die Verletzungen behandelten, Opfer registrierten und „entkräftete“ Passagiere mit Decken und Getränken versorgten. Erst nach 22 Uhr konnten alle Beteiligten ihre Geräte wieder auf die Fahrzeuge laden und abrücken.

Matthias Hase von der Freiwilligen Feuerwehr Elmendorf, der gemeinsam mit Jens Oltmer die Übung ausgearbeitet hatte, war am Ende zufrieden: „Wir haben gutes Feedback von allen Beteiligten bekommen. Die Übung war erfolgreich, hat aber auch noch einige Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt.“

Während der Übung waren nur wenige Menschen an Bord, die „Zwischenahn“ kann aber mehr als 400 Personen aufnehmen. Was würde passieren, wenn es auf einem voll besetzten Schiff brennt? „Wir müssten vermutlich mit deutlich mehr Menschen im Wasser rechnen“, sagt Hase. Allerdings würde der Einsatz auch völlig anders ablaufen. Wir hätten auf jeden Fall sehr schnell eine zweite Fähre, auf die wir die Fahrgäste sofort umladen könnten.“ Auch an Land würde die Leitstelle deutlich mehr Einsatzkräfte für den „MANV25“, den Massenanfall von mehr als 25 Verletzten, zusammenziehen. „In so einem Fall würden außerdem alle zu Hilfe gerufen, die Boote am Zwischenahner Meer haben: Der Segelclub, Fischereiverein, Bootsvermietungen“, so Hase. Dieser Teil des Szenarios wurde am Donnerstag nur theoretisch durchgespielt. Reederei-Chefin Anja Lid, die während der Übung ebenfalls an Bord war, war am Ende froh, dass es noch nie einen solchen Notfall auf der Weissen Flotte gab. Weil ein Brand aber nie auszuschließen ist, freut sie sich auch über jede Anfrage der Feuerwehr für eine Übung.

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